Beobachtungsbericht: Milchstraßen-Zeitraffer

Vor einigen Tagen habe ich mal wieder den Versuch eines Zeitraffervideos gestartet. Der Spätsommerhimmel war klar, der abnehmende Mond noch unterem Horizont und die Nacht dunkel. Optimale Bedingungen zum Fotografieren der Milchstraße! Hier seht ihr das Ergebnis und darunter die zugehörige Story.

Bei mir um die Ecke gibt es einen schönen Spazierweg am Waldrand, welcher in dieser Nacht mein Beobachtungsplatz werden sollte. Beim ersten Blick nach oben ist bereits hell und deutlich das Sommerdreieck mit den Sternen Wega, Deneb und Altair zu erkennen. Im Zenit gleitet der Schwan entlang des diffusen Bandes unserer Milchstraße, welches im Südwesten hinter Bäumen verschwindet. Im Norden sehe ich Polaris und Kassiopeia, im Westen den rot-gelb funkelnden, tief stehende Arktur. Gegenüberliegend ist sogar unsere Nachbargalaxie Andromeda mit freiem Auge zu erahnen. Ich baue mein Equipment auf: Eine DSLR-Kamera, welche auf einer speziellen Schiene, einem so genannten Slider langsam von links nach rechts fahren soll und dabei alle 30 Sekunden auslöst. 25 Sekunden von dieser Zeit gehen für die Belichtung ab, die restlichen 5 Sekunden für die Verarbeitung und schon fährt die Kamera wieder ein winziges Stück weiter und öffnet für das nächste Bild den Spiegel. Dieser Vorgang wird sich in dieser Nacht noch etwa 250 mal wiederholen. Dann aber voll automatisch. Trotzdem braucht es gut eine halbe Stunde bis ich alle Einstellungen getätigt habe und die Kamera auch wirklich das macht, was ich will.

Die Kamera legt nun also los, somit kann ich in der Zwischenzeit etwas genauer nach oben schauen. Hierzu eignet sich hervorragend eine „Liegebank“, die hier zufällig rumsteht. Vorher aber lieber noch eine Jacke mehr anziehen, denn der Hochsommer ist vorbei und die nächtlichen Temperaturen sind schon recht ungemütlich. Immer wieder höre ich Geräusche aus dem Wald, Autos auf der nahe gelegenen Landstraße und das regelmäßige Auslösen der Kamera. Am Himmel sind neben unzähligen Sternen auch Flugzeuge und Satelliten zu entdecken. Ich nehme mein Smartphone zur Hand und öffne Stellarium, natürlich im Nachtmodus, um die Augen zu schonen. Mal sehen, ob ich noch alle Sternbilder erkennen kann. Aber irgendwie prägen die sich ein, auch wenn ich schon seit Monaten nicht mehr so intensiv hochgeschaut habe. Was auch spaßig sein kann, ist wenn man sich die Sterne anschaut und gleichzeitig etwas über sie lernen kann. Das klappt hervorragend mit den Sternengeschichten, einem Podcast von Florian Freistetter, welchen ich wirklich empfehlen kann.

Langsam wird es richtig kalt. Immerhin verharre ich schon seit zwei Stunden nahezu bewegungslos unterm eisigen Firmament. So lang soll es heute nicht mehr gehen. Die Kamera hat bereits ein gutes Stück auf dem Slider zurückgelegt. Ich baue jetzt ab. Beinahe ist alles gut gegangen, aber nur fast: Ich muss leider feststellen, dass inzwischen die Objektivlinse beschlagen ist. Mein Aufbau stand wohl doch zu nahe am feuchten Gras. Von 250 Aufnahmen sind jetzt nur knapp über 100 verwendbar. Wenn ich die Fotos zu einem Film mit 25 Bildern pro Sekunde zusammenfüge, ergibt sich eine Videolänge von etwa 4 Sekunden. Es könnte aber schlimmer sein. Ich war bei der Motivauswahl ohnehin nicht besonders kreativ – Milchstraße halt und ein bisschen Gebäum. Aber es funktioniert und ist schön.

Ich mache auf jeden Fall mal noch einen Beitrag, wie das mit der Time-Lapse-Fotografie im Detail funktioniert (oder wie ich es handhabe, es gibt viele Möglichkeiten).

Was habt ihr schon so erlebt bei euren Beobachtungen? Schreibt es doch einfach hier!

Lichtverschmutzung in Deustchland

Habt ihr schon mal von dem Begriff der „Lichtverschmutzung“ gehört? Für Astronomen ein wohl bekanntes und leidiges Thema. In der breiten Bevölkerung eher unbekannt. „Lichtverschmutzung“, damit ist die unnötige, künstliche Aufhellung des Nachthimmels gemeint. Unsere moderne Zivilisation machte die Nacht zum Tag. Wir fühlen uns fortschrittlich, sicherer und der Natur überlegen. Aber durch die ineffiziente, nach oben gerichtete Beleuchtung, verlieren wir auch etwas. Etwas, was die Menschen Jahrtausende lang begleitet und beeinflusst hat und gleichzeitig der Ursprung von allem ist: Der Sternenhimmel.

Die wenigsten Menschen in den Großstädten wissen heute noch, wie die Milchstraße mit freiem Auge aussieht oder wie viele Sterne man eigentlich erblicken könnte: Etwa 3.000! Als ich das letzte mal in Hamburg war, konnte ich die Sterne am nächtlichen Himmel mit einer Hand abzählen. Einer davon war eigentlich ein Planet, Jupiter. Immerhin.

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Die Lichter in Europa verschleiern unsere Sicht ins Universum. Quelle: Wikipedia Beleuchtung

Aber es gibt Hoffnung: Das Problem wird mittlerweile anerkannt und es entstehen Orte, die sich mit einem besonders dunklen Himmel auszeichnen. Einer dieser Orte in Deutschland ist Gülpe in Brandenburg. Er soll sogar DER dunkelste Ort in Deutschland sein! Hobbyastronomen aus der gesamten Republik zieht es regelmäßig dort hin und auch ich will diesen Ort mal besuchen. Der Himmel dort ist sicherlich beeindruckend, jedoch immer noch nicht das, was wir eigentlich von Natur aus sehen sollten. Hierzu müssen wir weiter reisen. Wie wäre es mit Namibia oder La Palma?

Ich will nicht predigen, dass wir alle unsere Lichter ausschalten sollen. Grund für Lichtverschmutzung ist oft einfach eine falsche Beleuchtungsart: Warum müssen Straßenlaternen Licht nach oben abstrahlen? Warum müssen sämtliche Fabrikgebäude nach oben hin angestrahlt werden? Wenn wir unsere Beleuchtung nur dort einsetzten würden, wo wir sie wirklich benötigen, wären wir schon einen ganzen Schritt weiter. Mit unserem Beleuchtungswahn nehmen wir uns nicht nur das Fenster ins Universum, sondern machen es auch vielen Tieren und der Natur schwer. Letztendlich behaupte ich, dass uns der Verlust der Nacht auch selbst krank macht.

Ich lebe im ländlichen Bereich. Hier gibt es noch einige dunkle Gebiete und ich kann auch die Milchstraße noch ausmachen. Wie sieht der Nachthimmel bei euch aus?

Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr hier weitere Informationen finden.

Wo ist der gesunde Menschenverstand?

Die Erde ist Flach! Die meisten werden nun glücklicherweise diese Aussage als Unsinn bezeichnen. Doch es scheint trotzdem auch viele Menschen zu geben, die absolut hinter dieser absurden Behauptung stehen. Es tut manchmal weh, wenn man sich in entsprechende Youtube-Kreise herab begibt und sich aus Spaß die Videos zum Thema anschaut. Es muss schon eine große Ladung Ignoranz und Unwissenheit dazugehören, wenn man an so etwas glaubt. „Glauben“ ist hier auch genau der richtige Begriff, denn dahinter steckt nichts anderes, als ein religiöses Konstrukt, welche jede Gegenargumentation von vorne herein ausschließt. Macht euch also nicht die Mühe, mit solchen Menschen zu diskutieren. Sie leben in ihrer eigenen Welt und lehnen das Prinzip der Wissenschaftstheorie ab (nutzen seltsamerweise aber die daraus entstandenen Errungenschaften wie Computer, Internet und Smartphone). Ich persönlich glaube auch, dass diese Menschen im richtigen Leben nicht viel zu sagen haben. In ihrer Community von Gleichgesinnten, die alles durchschaut haben, haben sie aber einen guten gesellschaftlichen Status und können auf den ganzen verblendeten Rest der Welt hinabblicken. Wem’s Spaß macht…

Der Himmel über uns

Der Himmel über uns ist toll. Wir sollten alle öfters mal nach oben schauen. Jeder kann es tun, völlig kostenlos und überall – vorausgesetzt, man hat keine Wolken über sich. Was man „da oben“ so alles sehen kann, das und vieles mehr will ich euch in diesem Blog näher bringen.

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Die Milchstraße mit freiem Auge beobachten – das geht!